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Viele sagen „Wir leben in einer verrückten Welt.“ Die Dynamik steigt laufend und wir bewegen uns am Rande des Chaos in einer immer komplexeren Welt.

Diese Komplexität hat Ähnlichkeit mit der Entdeckung der Himmelsmechanik. Mit der Fähigkeit immer besser und genauer zu rechnen, wurden die Bahnen der Sterne immer komplizierter und am Schluss nicht mehr durchschaubar komplex. Johannes Kepler hatte dann den Mut es einfach anders zu denken – die Sonne in den Mittelpunkt zu stellen und wie von „Zauberhand“ wurde alles ganz einfach.

Das gleiche sehen wir in den Unternehmen. Wir sind heute besser denn je in der Lage zu kommunizieren und Informationen auszutauschen. Wir können planen und kontrollieren in nie da gewesener Weise. Doch es sieht so aus, je mehr wir uns anstrengen, umso komplexer wird die Situation.

Der Verdacht liegt also nahe, dass wir immer noch einem falschen Paradigma nachhängen. Es scheint also, als würde irgendwas  komplett quer liegen, völlig unabhängig ob wir agil oder klassisch denken. Folgt man dem Beispiel von Kepler, müsste – sich unsere Welt verändern und einfacher werden, wenn wir die „Sonne in den Mittelpunkt“ stellen. Doch was bedeutet das in der Unternehmenswelt?

Wenn ich das System „Unternehmen“ holistisch betrachte, finde ich diesen einzigen Punkt, der (fast) alles bestimmt? Aus Sicht der Theory of Constraints (ToC), mit ihrer Grundaussage „Lokale Optimierungen sind schädlich für das Ganze“ ist dies der Engpass. Denn nur wenn ich diesen Punkt kenne, kann ich das Unternehmen verändern und alle Beteiligten können sehen, was ihr Verhalten bewirkt und darauf aufbauend an einem gemeinsamen Strang ziehen.

Viele Firmen haben weltweit diesen Perspektivenwechsel schon vollzogen. Es sind viele große Firmen darunter wie Amazon, Mazda und auch viele Bereich von Boeing, P&G, BOSCH u.v.a.

Im Januar 2015 hat Skype einen Vortrag veröffentlicht, in dem Chris Matts und Tony Grout zeigen, wie bei Skype der Paradigmenwechsel vollzogen wurde und welche erstaunlichen Wirkungen er hat.

Hier nur vorab – was ist da passiert?

Skype ist erfolgreich und in einem dynamischen Umfeld massiv gewachsen. In den letzten Jahren wurde massiv auf Agile gesetzt und alle möglichen Methoden ausprobiert. Doch das Ergebnis war nicht zufriedenstellend. Die Qualität war nicht wie erwartet und auch der Durchsatz (Effektivität) blieb hinter den Erwartungen zurück.

Was war das Problem? Durch die vielen kleinen verteilten Teams ging die Übersicht verloren. Jedes Team hat nach bestem Wissen und Gewissen eigenverantwortlich gearbeitet. Alle waren voll beschäftigt, doch die Synchronisation ging verloren und der Durchsatz sank. Aber keiner wusste, wie man den gordischen Knoten lösen kann. Also noch mehr Methoden und Controlling und alles wurde nur noch schlimmer.

Erst die Entdeckung des „Constraints“, also des Elements, das alles steuert, kam der Durchbruch.

Jetzt war es möglich, alles an diesem Punkt auszurichten. Die verdeckten Ressourcen wurden transparent. Die Verantwortlichkeit für das Problem lag wieder bei den Managern. Jetzt konnten sie entscheiden und die Richtung vorgeben. Gleichzeit wurde der Planungs- und Kontrollaufwand geringer und die Selbstorganisation auf Teamebene macht wieder Sinn.

Das Ergebnis lässt sich sehen: Eine echte agile Organisation mit vielen Freiräumen und gleichzeitig klarer Linie, bei der jeder weiß wo die Reise hin geht.  In Zahlen bedeutet das 30% mehr Kapazität und die Fähigkeit, in wenigen Tagen auch große Richtungsänderungen zu bewerkstelligen – echte Agilität bei voller Skalierbarkeit.

Am Schluss ist es nur eine „einfache“ Entscheidung, wie ich die Welt sehen will. In vielen kleinen Teilen mit hoher Komplexität – oder als Ganzes mit einem Element, das alles steuert. It’s a Choice.

Wer mehr über diese holistische (systemische) Sicht wissen will, ich werde auf dem Management Innovation Camp auf jeden Fall ein Session zu „Applying Theory of Constraints at Scale“ anbieten. Zudem sind gerade zwei Bücher mit mir als Coautor erschienen – einfach mal reinlesen. Aber Achtung – danach sieht man die Welt anders.

„Hyper-Productive Knowledge Work Performance – The TameFlow Approach and its Application to Scrum and Kanban“ – Agile Methoden konsequent mit TOC und Critical Chain weiter gedacht – für echte Höchstleistungen.

„The CIO’s Guide to Breakthrough Project Portfolio Performance: Applying the Best of Critical Chain, Agile, and Lean“ – Critical Chain und advanced Agile kombiniert – für alle CxOs oder die, die es werden wollen!

Und natürlich auf dem Management Innovation Camp am 29./30.01.2016 in Essen.

Bis dann in Essen.
Wolfram Müller

Wolfram Müller ist Sales Director der VISTEM GmbH. Er „brennt“ für schnelle Projekte. Mit dem Thema Critical Chain und Reliable Scrum  wird er als Impulsgeber Speed ins #MICAMP16 bringen.

(Das im Artikel verwendete Bild wurde von Wolfram Müller unter https://de.wikipedia.org/wiki/Theory_of_Constraints veröffentlicht)