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Effectuation? Worum es geht: Komplexität ist eines der bestimmenden Themen unserer Zeit. Die Welt wird immer vernetzter, dynamischer, unvorhersehbarer, volatiler, ungewisser, mehrdeutiger. Aber Komplexität ist weder böse noch gut, Komplexität ist.

Über Ursachen, Auswirkungen und den Umgang mit steigender Komplexität wird viel diskutiert und geschrieben, u. a. im Rahmen der Blogparade zum PM Camp Berlin 2015. Einige Schlagwörter wie Resilienz, Antifragilität, Achtsamkeit, Agilität und Intuition tauchen immer wieder auf – allen Ansätzen gemeinsam ist die Einsicht, dass man Komplexität weder vermeiden noch mit bisher bewährten Management-Werkzeugen kontrollieren kann.

Management wie wir es kennen, nutzt Methoden zur Planung, Standardisierung und Kontrolle mit dem Ziel, die Effizienz zu erhöhen – dieser Ansatz funktioniert für komplizierte Sachverhalte sehr erfolgreich.

In Komplexität geht es vielmehr darum, vorbereitet zu sein: flexibel, effektiv und robust. Flexibel, um schnell auf Unvorhergesehenes reagieren zu können. Effektiv bedeutet, die jeweils passenden Antworten auf sich verändernde Märkte und Kundenbedürfnisse anbieten zu können. Robust zu sein bedeutet ausreichend Puffer zu haben, um nicht bei jeder „Störung“ aus dem Gleichgewicht zu kommen.

So weit, so gut, so (mehr oder weniger) bekannt.

Spannend finde ich einen Ansatz, der bisher (noch) nur wenigen bekannt ist: Effectuation.

„Wie lösen erfahrene Unternehmer Probleme?“ lautete die Anfangsfrage. Die Ergebnisse einer intensiven Befragung von 27 erfahrenen und erfolgreichen Mehrfachgründern und Unternehmern brachten erstaunliche Erkenntnisse, die seitdem vielfach wissenschaftlich untermauert werden konnten: Management-Ansätze zur Planung und Kontrolle und insb. Marktforschung sind nicht das Erfolgsrezept, reine Bauchentscheidungen sind es aber auch nicht.

Tatsächlich sind es fünf Prinzipien, die Effectuation ausmachen:

Verfügbare Mittel

Leite Handlungsoptionen und mögliche Ziele von Deinen verfügbaren Mitteln (wer bin ich, was habe ich, was kann ich, wen kenne ich, worauf kann ich sofort zugreifen) ab – und nicht umgekehrt. Definiere kein konkretes Ziel, um dann festzustellen, dass Dir die notwendigen Mittel fehlen, um es zu erreichen.

Leistbarer Verlust

Handle stets so, dass Du Dir den Verlust leisten kannst. Wirtschaftlichkeitsrechnungen sind stets Spekulation, wenn es um wirkliche Innovationen geht – begrenze den Schaden, handle und lerne.

Partnerschaften aushandeln

Frage potentielle Partner, ob sie etwas zum Projekt beitragen wollen. Aus Partnerschaften entstehen neue Mittel, neue Handlungsoptionen und Ziele. Auch Konkurrenten können zu Partnern werden – das lohnt sich u. U. mehr als Wettbewerbsanalysen.

Zufälle nutzen

Überraschungen passieren – es lohnt sich nicht, sich gegen ungewisse Gefahren zu wappnen. Im Gegenteil: Suche die Zufälle, sei bereit dafür und nutze sie als Chance für Deine Zwecke.

Zukunft gestalten

Behalte das Steuer in der Hand: Verlasse Dich nicht auf Marktforschung und Analyse technologischer Trends. Du kannst die Zukunft nicht vorhersagen – es lohnt sich, sie selbst mitzugestalten.

Spannend an Effectuation finde ich vor allem, dass es eine in sich schlüssige Entscheidungs- und Handlungslogik als Alternative zu traditionell kausal gedachter Strategie darstellt.

Effectuation

Es ist auch nicht weiter verwunderlich, dass sich vieles so oder so ähnlich auch in anderen Ansätzen aus den Bereichen Agilität und Lean wiederfindet.

Ich möchte auf dem MANAGEMENT INNOVATION CAMP 2016 gerne mit Euch diskutieren, wie sich Effectuation in agile Organisationen, insbesondere in Scrum-Organisationen, einbinden lässt. Ich freue mich darauf!

Heiko Bartlog verfügt über mehr als 17 Jahre Erfahrung als Berater, Trainer, Coach in vielen Facetten des Projektmanagements. Seit einigen Jahren beschäftigt er sich mit Scrum, Effectuation, Lean Startup etc. und begleitet Unternehmen bei der Nutzung und Skalierung von Agilität. Heiko ist als Gastgeber für Innovation u. a. Organisator des PM Camp Berlin und – natürlich – des MANAGEMENT INNOVATION CAMP 2016!